Samstag, 27. Mai 2017

SpVgg 03 Neu-Isenburg - TS Ober-Roden 6:0

Verbandsliga Hessen Süd
Sportfeld Neu-Isenburg
Zuschauer: ca. 450

Während fast ganz Fußballdeutschland seinen Blicke nach Berlin richtete und dem DFB-Pokal Finale entgegenfieberte, zog es mich in die Nähe von Frankfurt. Ich kann mit diesem ganzen durchgeplanten und durchgestylten Hochglanzprodukten des DFB oder DFL immer weniger Anfangen. Klar schaue ich gerne attraktiven und hochklassigen Fußball, auch die vollen Stadien sind schön anzuschauen und mit der Eintracht und Dortmund sind da auch noch 2 Kurven am Start die richtig frei drehen können. Aber das ganze drum herum widert mich langsam aber sicher immer mehr an. Für was brauche ich eine Helen Fischer oder wie zuletzt bei den Bayern Anastacia in der Halbzeitpause? Das schießt doch langsam aber sicher alles weite über das Ziel hinaus!
Da lobe ich mir den Amateurfußball, hier bekommt der Nostalgiker noch dass was den Fußball ausmacht. Ein frisch gezapftes Bier und Fleisch vom Holzkohlegrill zu vernünftigen Preisen, mehr brauch ich nicht. Genau so ist es in Neu-Isenburg, mit dem Sportfeld haben sie hier sogar noch ein ganz schickes Stadion welches als 10000er Ground geführt wird. Beide Kurven sind mit je 10 Stufen ausgebaut, auf der einen Geraden befinden sich nochmals 8 Stehstufen und drei Reihen mit Sitzbänken. Die andere Gerade ist ohne Ausbau einfach nur gepflastert und dort befinden sich die Umkleiden, der Eingang, die Essensstände usw. eingerahmt wird das Sportfeld von dichtem Baumbewuchs. Richtig feine und gepflegte Anlage und sehr angenehmes Publikum, sehr sympatisches Volk. Kann einen Besuch nur wärmsten Empfehlen! 
Die heutige Spvgg. 03 Neu-Isenburg hat mehrere Vorläufervereine. Der älteste unter ihnen, auf den auch der Namenszusatz „03“ zurückgeht, war der Freispielklub 03, gegründet am 13. Juni 1903. Dieser schloss sich 1913 mit dem Sportklub von 1905 zum Fußballverein 03 zusammen. 1921 taten sich der Fußballverein 03 und die Viktoria 05 zum Vfl Neu-Isenburg zusammen. Zum heutigen Namen SpVgg 03 Neu-Isenburg kam es schließlich 1938 durch die Fusion des Vfl Neu-Isenburg mit dem Sportverein 1911. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde der Verein unter dem Namen SG Neu-Isenburg neu gegründet, kehrte aber schon 1946 wieder zum alten Namen zurück. Zu den größten Erfolgen zählen das Endspiel um die deutsche Amateurmeisterschaft 54/56 welches die von Ex-Nationalspieler Erwin Schädler betreute Mannschaft deutlich gegen TSV Marl/Hüls verlor. In der Saison 1955/56 wurde die Schädler-Elf Meister der 1. Amateurliga Hessen mit 14 Punkten Vorsprung vor dem Zweiten, Germania Wiesbaden, überstand die anschließende Aufstiegsrunde verlustpunktfrei und stieg somit in die Zweite Liga Süd auf. Ein weiterer Höhepunkt der Saison war der Gewinn der Amateurmeisterschaft im selben Jahr, den man sich durch ein 3:2 im Berliner Olympiastadion vor bis zu 45.000 Zuschauern – die Begegnung fungierte als Vorspiel zum Endspiel der Deutschen Meisterschaft zwischen Dortmund und Karlsruhe – über den Vfb Speldorf sicherte. Anschließend zählten die Weinroten sieben Jahre lang zur 2. Liga Süd, bis durch die Einführung der Bundesliga 1963 eine Reform der Spielklassen anstand. Danach begann langsam aber sicher der sportliche Abstieg der erst in der Kreisliga endete. Mittlerweile sind die Neu-Isenburger wieder auf den Weg nach oben. Nach diesem Spieltag, wo Ober-Roden mit 6:0 vom Platz gefegt wurde, ist klar das sie noch in die Relegation um den Aufstieg in die Hessenliga antreten müssen. Ich drück euch die Daumen!
Der bekannteste Fußballer aus Reihen der Neu-Isenburger dürfte Peter Dietrich sein, neben zwei Meisterschaften mit Mönchengladbach schaffte er es auf 213 Einsätze in der Bundesliga und einen Einsatz in der Nationalmannschaft.

Text/Fotos: Harry