Samstag, 6. Mai 2017

Nyva Ternopil - Ahrobiznes Volochysk 0:2

Amateurmeisterschaft Gruppe 1
Stadion Sokil
Zuschauer: 300 (20 Gäste)

In Khmelnytsky trennte ich mich von Kviten und fuhr für zwei Tage in meine Heimatstadt Odessa. Am Freitagabend startete ich von dort mit dem Nachtzug zurück in den Westen der Ukraine. Bevor es am Sonntag dann aus Lviv zurück nach Deutschland gehen sollte, war für Samstag noch ein Spiel in Ternopil geplant. In der Stadt war ich zum ersten Mal im August letzten Jahres gewesen, als Nyva im Finale des Oblast-Pokales im zentralen Stadion der Stadt antrat. Normal trägt der Traditionsverein Nyva aber auf Grund der hohen Miete des Zentralstadions in der Stadt seine Spiele aber im Stadion Sokil in dem Dorf Velyki Hai, das sich nur ein paar Kilometer von Ternopil befindet, aus. Dies war das Ziel. 
Wie schon das letzte Mal dort, wurde ich am Bahnhof kurz vor 8 Uhr vom Capo der einheimischen Fanszene abgeholt. Yaroslav, so heißt der Mann, ist ein echt netter und schlauer Typ, der als Arzt arbeitet und nicht nur viel zu erzählen hat, sondern auch eine westeuropäische Mentalität bzgl. der Fanszene hat. Im Gegensatz zu einem üblichen Ukrainer, der das Fan-Sein bis 25 ausübt, lebt Yaroslav für die Fanszene und denkt nicht mal ans Aufhören. An der Hauptsehenswürdigkeit der Stadt, dem See, vertrieben wir uns die Zeit und holten am Busbahnhof nach ein paar Stunden die ukrainischen Groundhopper Ostap und Kviten sowie zwei Vorskla-Fans, die vom Spiel Volyn Lutsk – Vorskla Poltava unterwegs waren, ab. Für ein paar Stunden machten wir es uns zum Essen im georgisch-ukrainischen Restaurant Kovcheg gemütlich. Anschließend liefen wir noch ins Zentrum, um in der gemieteten Wohnung die Rucksäcke abzulegen. Die Zeit bis zum Anpfiff in Velyki Hai rückte näher, sodass wir uns zwei Taxis bestellten und zum Stadion fuhren. Der Ground besteht aus einer größeren überdachten Tribüne und drei Sitzreihen auf der gegenüberliegenden Seite. Die Sitzschalen sind vom alten legendären Olympiastadion in Kiew, welches u.a. das Champions-League Halbfinale zwischen Dynamo Kiew und FC Bayern München erlebt hat. Als es zur EM 2012 umgebaut wurde, entschied sich damals der Landesverband, die 80.000 Sitze auf die Regionen zu verteilen, sodass man heutzutage in vielen kleinen Stadien der Ukraine diese braunen Sitzschalen entdecken kann. So auch hier. Nyva Ternopil trägt seine Spiele in diesem Stadion seit Anfang 2016 aus, als sich der Club aus der zweiten Liga zurückzog und im Amateurbereich startete. 
Erst heute kam es zum ersten Heimspiel der Saison: Mit Ahrobiznes Volochysk war gleich der Tabellenerste aus der Gruppe 1 der landesweiten Amateurmeisterschaft zu Gast. In der kommenden Saison will sich der Club (wie der Heimverein übrigens auch) sogar für die Teilnahme in der Profiliga bewerben. Der Vereinsname "Ahrobiznes" ist ein landwirtschaftliches Unternehmen. Laut Yaroslav boykottieren Nyva-Fans spaßhalber sogar die Produkte dieser Firma. Spaßhalber, weil sie selbst sich darüber lachen, da die Auswirkung dieses Boykotts einer Fanszene und ihren Familien für das Unternehmen im Endeffekt egal ist.
Schon in der 2. Spielminute gingen die Gäste in Führung, die in der ersten Hälfte sogar noch ausgebaut werden konnte. Die Hausherren zeigten fast nichts auf dem Platz und auch ihre Fans waren heute, schon unabhängig vom Ergebnis, zahlenmäßig nicht in der üblichen Form. Es gab leider nur ein paar kurze Momente in der ersten Halbzeit, als sie ihre, für ukrainische Ränge kreativen Gesänge, sangen. Der Gästeblock, welcher teils aus Bauern, Mädchen und selbst Hipstern bestand, war ab und zu am Supporten, aber nicht wirklich ernst zu nehmen. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich mir von diesem Spiel stimmungstechnisch eigentlich mehr erhofft habe. Aber so ist es nun mal, dass man nicht immer den Erwartungen gerecht werden kann.
Nach dem Abpfiff brachten uns die Taxis wieder ins Zentrum, wo wir bis in die späte Nacht in der Kneipe Bunkermuz die hausgemachten Schnäpse durchprobierten. Generell bin ich nach den beiden Besuchen in Ternopil ein großer Fan von der Stadt geworden. Auch wenn es hier nicht die alte Architektur wie in Lviv gibt, hat für mich diese Stadt eine gewisse Anziehungskraft, die ich nicht beschreiben kann...
Am nächsten Morgen trennte ich mich von den Anderen und fuhr mit dem Zug nach Lviv, aus welchem mich der Bus der Firma Euroclub in 22 Stunden Fahrzeit nach Würzburg brachte.

Text/Fotos: Шаффи