Montag, 1. Mai 2017

Hellas Verona FC - Vicenza Calcio 3:2

Serie B
Stadio Marcantonio Bentagoni
Zuschauer: 20848 (ca. 2000 Gäste)

Holla die Waldfee, was war denn hier los? Das dürfte eines der besten Spiele gewesen sein, das ich seit langer Zeit gesehen habe. Aber fangen wir von vorne an.
Gut eine Stunde vor Spielbeginn trudelten wir mit dem Auto am Stadion ein, ganz ehrlich, ich war etwas überrascht was hier für ein Chaos herrschte. Wir brauchten noch eine weitere halbe Stunde um unser Gefährt mitten im Parkplatz abzustellen. Für italienische Verhältnisse war hier vielleicht noch irgendwo eine gewisse Ordnung auf dem Parkplatz zu erkennen, für uns war es ein katastrophales Durcheinander ohne Sinn und Verstand. Egal, dann stellten wir uns halt auch irgendwo hin und sprinteten im stömenden Regen Richtung Biglitteria.
Durch die kack Personalisierung der Tickets zog sich die ganze Geschichte leider auch in die Länge. Das Ende vom Lied war, wir verpassten den Anpfiff um etwa eine Minute und somit auch das Luftballonintro von Hellas. Shit, ich hab den heutigen Andrang hier echt etwas unterschätzt, nehme ich auf meine Kappe.
Das Stadio Bentagoni selber ist eine wunderbare, leicht siffige Betonschüssel mit drei Rängen, an der seit der WM 1990 nicht besonders viel gemacht worden sein dürfte. Also genau das was ich liebe, ein Stadion mit Ecken und Kanten. Keine 08/15-Schüssel am Stadtrand sondern ein Stadion im Wohngebiet mit seinem eigenen unverwechselbaren Charakter. Auch das Stadionumfeld kann punkten, neben einigen Cafes und Bars gibt es hier massig fliegende Händler. So kann eigentlich auf den ganzen Dreck, der im Inneren verkauft wird, verzichtet werden. Aber da ich ja unter Zeitdruck stand und der Magen knurrte, musste ich auf so einen ekligen Hot-Dog zurück greifen. Wenigstens gibt es mit Moretti wieder italienisches Bier und der 1 Euro-Espresso wusste auch zu überzeugen.
Auch dieses Mal wurde ich nicht enttäuscht und die Curva Sud war wieder in absoluter Sangeslauen. Wer wirklich gute Stimmung und vor allem einen eigenen unverkennbaren Stil hören will, ist hier definitiv richtig. Der Spielverlauf gab sein übriges dazu, eine solche emotionale Entladung wie nach dem 3:2 in der Nachspielzeit erlebte ich bislang auch nicht all zu oft. Selbst auf der Gegengerade brannte es jetzt, absolut genial und ich werde mit Sicherheit in absehbarer Zeit hier wieder vorbei schauen. Ohne jetzt der absolute Italienkenner zu sein, für mich zählt Hellas zu den Besten des Landes. Unterstützung erhielten sie von ihren Freunden aus Triest und Kaiserslautern. Ja, richtig Lautern, Kontakte gibt es wohl schon seit den Hans-Peter Briegel-Zeiten in den 80ern, als Hellas seinen ersten und auch einzigen Scudetto erringen konnte.
Im Gästeblock sammelten sich um die 2000 Gäste aus dem nur 40 km entfernten Vicenza. Aufgrund dessen, dass ich fast auf höhe der Eckfahne hin zur Curva Sud saß, vernahm ich die Gäste nur ab und an. Was ihre Leistung in keinem Fall irgendwie schmälern soll. Denn bei der Lautstärke die die Veronesi raushauten war ich schon verwundert, dass sie sich akustisch überhaupt ab und an bei mir bemerkbar machen konnten. Auch sonst ein guter und geschlossener Auftritt mit hoher Mitmachquote und schöner geschlossener Schalparade. Zu Beginn der zweiten Halbzeit zog sich der Gästeblock noch Leibchen über und so erstrahlte dieser über gut 25 Minuten in den Farben Rot-Schwarz-Weiß. Auch im Gästeblock waren einige Freunde aus Cremona und Reggio am Start.
Emotional ging es nicht nur auf den Tribünen zu, auch auf dem Platz ging es äußerst hitzig zu. So gab es einige Schubsereien und nach Schluss eine heftige Rudelbildung die beinahe in einer handfesten Auseinandersetzung endete. Da war richtig Feuer im Spiel, also alles was ein gutes Derby braucht!

Text/Fotos: Harry