Samstag, 6. Mai 2017

Carpi FC 1909 - US Salernitana 1919 2:0

Serie B
Stadio Sandro Cabassi
Zuschauer: 2031 (ca. 250 Gäste)

Die nächste Wasserschlacht stand in Bella Italia an, mit dem Wetter sollten wir dieses Jahr irgendwie nicht so richtig Glück haben. Unser Auto stellten wir auf einem Hinterhofparkplatz eines Supermarktes ca. fünf Gehminuten vom Stadion entfernt ab. Parkplätze sind hier Mangelware und auch die Gegend wirkt irgendwie alles andere als vertrauenserweckend.
Das Stadio Sandro Cabassie, das 1928 eröffnet wurde, hingegen kann voll und ganz punkten. Zunächst erhielt es den Namen Stadio Communale, was sich jedoch bereits nach Ende des Zweiten Weltkrieges wieder änderte. Dann erhielt es seinen heutigen Namen nach Sandro Cabassi, einem Mitglied der Fronte della gioventù per l’indipendenza nazionale e per la libertà, jener Organisation, die gegen den italienischen Faschismus um den Duce kämpfte und auch an der Absetzung des Diktators beteiligt war. Es besitzt eine überdachte Haupttribüne und eine bestuhlte Gegengerade. Der Gästeblock besteht aus ein paar Stufen und ersteckt sich über die komplette Kurve. Der einzige Wermutstropfen ist eine Stahlrohrtribüne, auf denen die Ultras und Fans der Hausherren stehen. Diese ist allerdings nötig um die Auflagen der Liga zu erfüllen, in der Serie A und auch noch die ersten Spiele mussten sie ins nahe gelegene Modena ausweichen. Ansonsten finde ich das Stadion, das von Hochhäusern eingerahmt wird, wirklich cool und absolut sehenswert.
Der Verein selber tingelte Jahrzehnte lang nur in den niedrigeren Spielklassen herum, höher als die 3. Liga schafften sie es nie. Im Jahre 2000 ging der AC Carpi pleite und wurde als Carpi FC 1909 wieder gegründet. Im Jahre 2012 gelang erstmals der Sprung in die Serie B und 2 Jahre später schafften sie es sogar in die Serie A. Aus dieser ging es aber postwendend zurück in die zweite Liga.
Fantechnisch hatte ich bei den Gastgebern nicht die Welt erwartet und so war ich auch nicht enttäuscht, dass in der ersten Halbzeit vor allem die Gäste aus Salerno die Stimmungshoheit hatten. Aber mit dem einsetzenden Dauerregen und einer 2:0-Führung im Rücken erwachten sie langsam und ich fand sie für etwa 50 - 100 aktive gar nicht so schlecht. Hat jedenfalls Spaß gemacht ihnen zuzuschauen.
Im Gästeblock machten es sich rund 250 Kampanier breit, der Großteil erreichte das Stadion aber erst kurz vor bzw. zum Teil auch erst nach Anpfiff. Zu Beginn gab es viele kleine Fahnen und nach und nach füllte sich auch der Zaun mit den bekannten Zaunfahnen. Insgesamt ein solider und guter Auftritt der etwa 130 Ultras und machten gerade in der ersten Hälfte das ganze zu einem Heimspiel. Seit ein paar Monaten gibt es ja eine offizielle Freundschaft/Kontakte zu den Ultras Gelsenkirchen, aber ob da einer Anwesend war habe ich nicht erkannt.
Das einzige wo ich wirklich negativ fand: Es gab kein Bier im ganzen Stadion. Naja, dafür wurde Sambucca ausgeschenkt, pur oder im Caffè Corretto. Komische Mentalität haben die in Carpi.

Text/Fotos: Harry